20210719 Kreuze SymbolbildIn seiner Predigt am 17./18. Juli greift Propst Röttger die aktuellen Ereignisse der Unwetter mit der Zerstörung auf, die viele Menschen bewegen. Worin gibt der Glaube Halt? Hier finden Sie die Predigt zum Nachlesen oder als PDF zum Ausdrucken.

16. Sonntag im Jahreskreis LJ B, 18.07.2021
Thema: Glauben in schwerer Zeit
Schrifttext: Mk 6,30-34


Liebe Schwestern und Brüder,
es ist eigentlich ein so schönes Sommerferien-Evangelium: Jesus lädt die Jünger ein, nach getaner Arbeit – er hatte sie ausgesandt und sie kommen mit ihren Eindrücken zurück - mit an einen einsamen Ort zu kommen und ein wenig auszuruhen. Es ist genau das, was viele Menschen im Moment tun oder sich ersehnen im Hinblick auf einen Urlaub, gerade nach diesen von Corona geprägten Monaten. Eine Zeit der Entspannung ist wichtig und legitim, wenn man sich den Dingen des Lebens wieder mit neuer Kraft zuwenden möchte. Wie gesagt, ein wunderbares Evangelium für die Ferienzeit.
Und da brechen dann in diese Ferienstimmung die Ereignisse der letzten Tage ein. Diese extremen Unwetter mit ihren verheerenden Folgen für sehr viele Menschen. Die Wassermassen, Dammbrüche und Erdrutsche, die Häuser und ganze Ortschaften zerstören, die Menschen töten – mehr als einhundertzwanzig werden aktuell angenommen. Die Bilder sind schockierend und wie bei Katastrophen immer auf eine subtile Weise faszinierend, so dass sie sofort in der Fläche geteilt werden. Es ist ja nicht so, als würden wir solche Bilder nicht kennen – aus Indonesien, Bangladesch oder Indien. Aber das ist weit weg, hat wenig mit uns zu tun und verschwindet schnell aus unserer Aufmerksamkeit. Auf einmal ist es bei uns, im Sauerland, in Hagen, in der Eifel und bei manchem von Ihnen im Keller. Bei mir persönlich wurden am Donnerstag Erinnerungen an das Hochwasser 2007 im Sauerland wach, als ich noch Pfarrer in Hüsten war und nach den Stunden einer ähnlichen Sturzflut einen Mann beerdigen musste, der in Bruchhausen in seinem eigenen Keller ertrunken war. Die schweren Tage und das traumatisierte Dorf sind mir noch sehr präsent.
Vorbei ist das Leichte der Ferienstimmung, das Schlimme holt uns ein. Aber ähnlich geht es auch Jesus, so berichtet das Markusevangelium: „Man sah sie
abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an.“ Vorbei ist der Gedanke an Erholung. Manche Dinge lassen sich eben nicht steuern. Doch Jesus entzieht sich den Leuten nicht, er wendet sich trotzdem den Menschen zu, er hat, als er sie sieht, schlicht und einfach Mitleid mit ihnen.
Zuwendung – das ist es, was viele Menschen in den letzten Tagen erfahren konnten. So schildern sie es zumindest in den vielen Interviews der Medien. Zuwendung in Nachbarschaftshilfe, Zuwendung durch Menschen in den helfenden Organisationen – in Feuerwehr, im THW, in Bundeswehr und Katstrophenteams, auch Zuwendung durch Politikerinnen und Politiker, durch viele einzelne Personen über die Medien, ja auch durch die Kirchen in Gebet, Seelsorge und finanzieller Hilfe. In der Not wird Gott sie Dank oft die gute Seite des menschlichen Miteinanders deutlich im Anpacken, in Solidarität, egal wer betroffen ist. All das ist Handeln im Sinne Jesu – den Menschen im Blick.
Liebe Schwestern und Brüder, und doch stellt sich in diesen leidvollen Situationen immer auch die Frage nach Gott, dem Menschen und der Schöpfung. Menschen erfahren in diesen Situationen die Kraft der Natur in zerstörerischer Energie, die stärker ist als wir. Wir spüren, wir können eben nicht alles steuern und kontrollieren. Wir nehmen wahr, dass Klima sich wirklich verändert, dass die Natur dabei ihre eigenen Gesetze hat und wir Menschen auf einmal so klein sind und ohnmächtig erscheinen. Das ist keine neue Erfahrung, schon in den Psalmen der Bibel wird die Ambivalenz im Hinblick auf die Schöpfung deutlich. Einerseits staunen die Beter über das Wunderbare und Großartige an der Schöpfung, zugleich finden wir die Ehrfurcht vor der Größe und den Gewalten der Schöpfung in Erdbeben, Fluten oder Hitze und darin die Ehrfurcht vor der Größe Gottes.
Vielleicht ist es das, was wir wieder mehr brauchen – Ehrfurcht vor dem Größeren, das wir nie ganz durchdringen. Diesen Respekt vor dem Geheimnis des Lebens in der Schöpfung, das wir mit Hilfe der Naturwissenschaft versuchen zu durchdringen, aber nie ganz erfassen werden. Dieses nie ganz Erfassen, dass sich
auch auf die Fragen bezieht im Angesicht des konkreten Leids. Und menschliches Leid ist immer sehr konkret. Ich denke dabei an den Feuerwehrmann, der in Altena bei seinem Einsatz in den Fluten ums Leben genkommen ist oder an die 12 Menschen in der Behinderteneinrichtung in Rheinland-Pfalz, die in ihren Wohnungen ertrunken sind und für die Rettung zu spät kam. Provokant gefragt: wo waren hier die Schutzengel?
Liebe Schwestern und Brüder, das sind die Momente, in denen mir das Geheimnis Gottes schmerzlich bewusst wird.
Dann stellt sich die Frage: Kann ich das, was ich nicht fassen kann, ein Stückchen im Glauben abgeben? Wer glauben kann, der kann sagen: Ich kann nicht begreifen, wieso das geschieht – und trotzdem vertraue ich darauf, dass darunter ein tieferer Zusammenhang liegt, den ich nicht sehe, der aber in Gott begründet ist. Diesen Glauben gilt es einzuüben, schon in guten Zeiten, damit er in der Krise hilft, so wie Feuerwehr und Katastrophenschutz ihre Einsätze auch in guten Zeiten trainieren, damit sie im Ernstfall des Lebens helfen und tragen.
Im Glauben braucht es dann doch das, wozu Jesus im Evangelium einlädt: Momente des Alleinseins in einer einsamen Gegend – fern von aller Geschäftigkeit. Orte der inneren Besinnung und Einkehr, um vor Gott Atem zu schöpfen, Gedanken zu klären, um im Gebet Halt zu finden, damit wir uns dann den anderen Menschen und den Herausforderungen des Alltags wieder zuwenden können. Unsere Kirchen laden jederzeit dazu ein als geistliche Tankstellen für jeden Menschen. Auch hier können wir in der Stille die Zuwendung Gottes erfahren und wenn wir dabei auf das Kreuz schauen, seine Zuwendung bis hinein in die Dunkelheit von großen Leid und Sterben. So kann uns der Glaube Anker sein, an dem wir uns festhalten können, damit wir, wenn das Leben uns den Boden unter den Füßen wegzieht, nicht untergehen. Amen.

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